Ich heiße Sarah

komme aus Köln und habe seit dem Teenageralter mit Übergewicht zu kämpfen. Als Kind war ich nie dick, aber mit ca. 11 Jahren fing dann alles mit dem Lipödem an.

Seitdem habe ich mindestens acht Diäten ausprobiert. Ich startete mit klassischen Low Carb-Diäten, es ging mit einer Mitgliedschaft bei den Weight Watchers weiter und führte zu „Schlank im Schlaf“-Methoden.

Doch nichts davon hatte langanhaltenden Erfolg, im Gegenteil: Nach jeder erfolgreichen Gewichtsabnahme folgte eine noch stärkere Gewichtszunahme – der typische Jo-Jo-Effekt.

Mein Selbstbewusstsein war dabei nie Teil meines Problems, ich habe auch stets auf ein gepflegtes Äußeres geachtet. In meinem großen Freundes- und Bekanntenkreis wurde ich immer so akzeptiert, wie ich bin.

Doch obwohl ich Sport getrieben und mich ausgewogen ernährt habe, stieg mein BMI immer weiter an, bis er schließlich trotz Diät bei 60 lag. Ich war niedergeschlagen und unendlich traurig, weil ich mich so angestrengt hatte. Im März 2017 erreichte ich dann mein Höchstgewicht: 178 kg, was durch einen Schicksalsschlag in der Familie zusätzlich begünstigt wurde.

Damit begannen auch die unerträglichen Schmerzen im Knie, im Steißbein und im Schienbein – eigentlich in allen Gelenken.

Alles versucht, ohne Erfolg

Sarah, Adipositas Patientin aus Köln

Der steinige Weg zur Normalität

Sarah, Adipositas Patientin aus Köln

Das war ein Schlüsselmoment, der mich dazu bewegt hat, eine OP mehr und mehr in Betracht zu ziehen.

Doch der Weg dahin, zu begreifen, dass ich es nicht ohne medizinische Unterstützung schaffen kann, war sehr lang und steinig. Bereits im Jahr 2010 hatte ich mich in einem Zentrum für Adipositas zu Therapiemöglichkeiten informiert.

Vier Jahre später schloss ich mich dort außerdem einer Selbsthilfegruppe an, was meine Neugierde nach einer bariatrischen Operation zusätzlich gesteigert hat. Erst 2018 war ich dann wirklich bereit, den Schritt zu gehen: Ich habe mich einer Mini-Bypass-OP unterzogen.

Als ich merkte, dass ich anfing, Gewicht zu verlieren, war ich zuerst noch sehr verwirrt. Mit der langanhaltenden Veränderung überkam mich aber ein Gefühl der Erleichterung, ich hatte meine Willenskraft wiedergefunden.

Eines der besten Gefühle war, als ich wieder in der „normalen“ Abteilung meine Kleidung kaufen konnte.

Wieder mitten im Leben

Aktuell stehe ich bei 105 kg Gewicht und wieder mitten im Leben. Die Schmerzen sind nicht mehr da, und ein ganz besonderes Erlebnis war, als ich auf der Kirmes wieder Breakdance fahren konnte.

Die Situation, „schlank“ zu sein, ist so neu für mich, dass ich nach wie vor noch manchmal an mir zweifle. Nichtsdestotrotz bin ich viel glücklicher, nicht zuletzt, weil ich meine Leidenschaft für Sport wiederentdeckt habe.

Ich gehe regelmäßig ins Fitnessstudio und habe mit dem Laufen angefangen. Mein nächstes Ziel: der „Muddy Angel Run“, darauf freue ich mich wahnsinnig.

In der IGG sehe ich eine großartige Chance für Betroffene. Ich möchte mit meinem Beispiel Mut machen, den gleichen Weg zu gehen und beweisen, dass ich trotz meiner Vorgeschichte gesund durchs Leben gehen kann.

Dazu musste ich jedoch zuerst aufgeklärt werden, und die Angst vor der OP musste mir genommen werden. Dafür ist der Austausch mit Gleichgesinnten unerlässlich.