Ich heiße Melanie

Meine Diät Karriere begann bereits im Alter von acht Jahren. Seitdem gleicht mein Gewicht einer Achterbahnfahrt, genau wie mein Leben. Ich wiege mich seit einem Jahr nicht mehr, denn das letzte Mal führte zu einem Nervenzusammenbruch in Anwesenheit eines TV-Teams und meines Chirurgen. 

So richtig klar, dass Adipositas eine Erkrankung ist, wurde mir erst mit 35. Bis dahin habe ich alles versucht, was mir empfohlen wurde. 

Das war zum Teil dumm und auch gefährlich, denn die meisten Tipps kamen von Leuten, die kein fundiertes Wissen über Adipositas hatten.

Doch ich war so verzweifelt, dass ich sogar einen Bandwurm geschluckt und mich von saftgetränkten Wattebällchen ernährt habe.

Letztes Jahr ließ ich mich erneut operieren. Dadurch wiege ich ca. 40 kg weniger, was mir meine Mobilität erhält. Doch das hat seinen Preis: ich leide trotz Supplementation an einigen Mängeln.

Durch meine Erkrankung wurde ich zur Rentnerin, da mein Arbeitgeber mich nicht mehr beschäftigen wollte und ich viel Negatives erfahren habe, das mich in eine Depression fallen ließ.

Die „Schuld“ an allem sah ich stets nur bei mir.

Gefährliches Halbwissen

Melanie, Adipositas Patientin aus Düsseldorf

Alleine geht es nicht

Melanie, Adipositas Patientin aus Düsseldorf

Heute weiß ich: Adipositas ist eine Erkrankung, die mein Leben für immer beeinträchtigt und es verkürzen kann, wenn ich nicht in Behandlung bleibe.

Deswegen bin ich meinen Ärzten dankbar, die mich begleiten – das ist wie eine zweite Familie, die es mir überhaupt ermöglicht, alt zu werden. Ich habe mit Hilfe meiner Fachärzte aus dem Adipositas-Chirurgie-Zentrum den Krebs überlebt, eine TIA (Transitorische ischämische Attacke) und auch eine Lungenembolie. Sie gaben mir auch Halt, wenn andere Patienten mich verachtet haben, weil ich wieder zugenommen hatte.

Mein Lebensgefährte, meine Tochter, meine Familie, das sind meine Alltagshelfer, und auch sie lernen dazu, was es heißt, Adipositas zu haben, denn sie haben es auch in den Genen, nur bricht es nicht immer zur gleichen Zeit aus.

Mein Verein und meine Selbsthilfegruppe stehen zudem stets hinter mir. Gemeinsam setzen wir uns für eine gesündere Zukunft für Patienten mit Adipositas ein.

Wieder ich selbst

Ich lebe heute bewusster, ich lebe gerne. Ich traue mich, ich zu sein, mein Selbstbewusstsein ist zurück, und mein Selbstwertgefühl steigt.

Es ist total ok, so zu sein, wie man ist, selbst mit Adipositas.

Ich bin ein Teil der IGG geworden, um ein umfassenderes Aufklärungsangebot, individuelle Therapiemöglichkeiten und vor allem präventive Maßnahmen zu schaffen. Nur so kann die Entstigmatisierung der Betroffenen in Gang kommen. Auch in den Behandlungszentren selbst setze ich mich für Veränderungen ein, wie z.B. geeignete Sitzplätze für Patienten mit Adipositas.

Am wichtigsten ist jedoch, dass wir eine Plattform haben, mit der wir uns gegenseitig Halt geben und füreinander einstehen.